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News-Artikel




Warum der Mensch vom Fisch abstammt

Beitrag vom 05.11.2008


Vergessen Sie das Gerede von der Verwandtschaft zu Gorillas und Schimpansen: Ein neues Buch enthüllt, dass der Mensch vom Fisch abstammt. Einleuchtend, meint auch unser Angelkolumnist Horst Köder. Hinweise dafür gibt es genug, man muss sich nur mal genauer umschauen.

Ach, die Wissenschaft ist doch was Schönes. Da denkt man, irgendwas sei endgültig und für alle Zeiten bewiesen, und plötzlich kommt jemand, behauptet was anderes, und alle sagen: Klar, stimmt doch, wussten wir schon immer. Klassische Beispiele: Die Erde ist eine Kugel, wo man doch lange dachte, sie sei eine Scheibe, und die Erde dreht sich um die Sonne und nicht umgekehrt. Aber hätten Sie gedacht, dass jetzt in Frage gestellt wird, dass der Mensch vom Affen abstammt?

Geben wir doch zu, wir hatten uns schon daran gewöhnt und das anfängliche Unbehagen längst verdrängt. Im Zoo guckt sich jeder nun mal am liebsten die Orang-Utans oder Schimpansen an, und viele Verhaltensweisen, für die wir uns früher schämen mussten, konnten wir durch Verweis auf unsere Vorfahren einfach übernehmen. Wer blöd angeschaut wurde, weil er auf der Familienfeier seinen nackten Bauch kraulte oder in der Öffentlichkeit urinierte, sagte einfach, das liege halt in unseren Genen, und er war fein raus.

Auch viele schöne Kosenamen wie "Prinz Pavian" oder niveauvolle Beleidigungen ("Du Feuchtnasenaffe!") verdanken wir der angeblich so engen Verwandtschaft zu den Primaten. Damit könnte es bald vorbei sein: In seinem neuen Buch "Der Fisch in uns" verbreitet der Paläontologe Neil Shulin die These, dass wir Menschen viel mehr mit Fischen gemein haben, als uns eigentlich lieb ist. Kein Wunder, sage ich, das war mir schon lange klar. Dafür gab es in unserem Alltagsleben genug Hinweise, dazu hätte es keiner wissenschaftlichen Theorie bedurft. Ein paar Beispiele.

Die Sehnsucht nach Wasser: Bald setzt sie sich wieder in Bewegung, die Karawane der Autos Richtung Meer. Bis auf ein Häuflein Menschen in München und Umgebung wollen ja alle Leute weltweit in ihrem Urlaub ans Meer. Zudem liegen viele bedeutende und auch unbedeutende Städte (New York, St. Peter-Ording) direkt am Atlantik. Es ist, als würden sie sagen: Wir sind alle Fische, wir wollen wieder zurück ins Wasser. Am Ende kommen sie doch wieder zurück an Land, weil die Atemluft doch kaum für eine halbe Minute unter Wasser reicht, ein paar wahnwitzige Apnoe-Taucher mal ausgenommen. Aber auch etwas anderes fällt auf: Es gibt zahlreiche Schwimmbäder und Seen, in denen man baden darf, aber kaum irgendwelche Kletterparks mit Bäumen, an denen man sich von Ast zu Ast hangeln kann. Müssten die nicht eigentlich an jeder Straßenecke zu finden sein, wenn wir vor ein paar Jahren noch Schimpansen waren?

Sprichwörter: Sie sind die Seele jeder Sprache, aber mal ehrlich: Kennen Sie irgendwelche Sprichwörter mit Affen? Aber für Fische müssen Sie gar nicht so lange überlegen, oder? "Der Fisch stinkt vom Kopf her" ist sicherlich das berühmteste, aber auch der Geburtstagsfeier-bei-Tante-Ulla-Klassiker "Einem geschenkten Barsch guckt man nicht hinter die Kiemen" hat zahlreiche Fans. Nicht zu vergessen die Kapitalismus-Rechtfertiger "Große Fische fressen kleine Fische" oder "Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler". Aus Dänemark kommt der nette Spruch "Iss den Fisch, wenn er noch frisch ist, und verheirate deine Tochter, solange sie jung ist". Was uns direkt überleitet zum…

Paarungsverhalten: Mal ehrlich, der Macho ist doch tatsächlich nur deshalb entstanden, weil wir dachten, wir könnten uns aus unserer Evolutionsgeschichte heraus benehmen wie der König der Pavianherde. Die neue Theorie dürfte dem endgültig den Garaus machen, und für die Frauen hat es durchaus ihre Vorteile, wenn sich die Kerle verhalten wie die Fische im Wasser. Okay, auch dort gibt es ein paar ungestüme Gesellen, aber auch viele Männchen, die die Brutpflege übernehmen, sich um den Nachwuchs kümmern und ihrem Weibchen nicht mehr von der Seite weichen. Und, liebe Damen, geben Sie es doch zu: Sie mögen es doch, wenn der Kerl nicht so viel redet, oder? Die Anglerfische haben sogar eine durchaus logische Methode entwickelt, um eine Dauerehe einzugehen: Sie verwachsen einfach miteinander. Nicht zu vergessen: Singlepartys in Deutschland heißen grundsätzlich – ich betone: grundsätzlich! – "Fisch sucht Fahrrad", warum auch immer. Oder waren Sie schon mal auf einer "Gorilla sucht Moped"-Party, um da den Traumpartner zu finden? Eben.

Verbreitung: Kennen Sie ein Land, in dem es keine Fische gibt? Sicherlich nicht. Aber ist bei ihrem Sonntagsspaziergang schon mal ein Affe an Ihnen vorbeigehangelt? Wohl kaum. Menschen sind ja grundsätzlich bequem, wie soll es dann möglich sein, dass wir Lebensräume besiedelt haben, weit weg von der nächsten Affenherde? Wer sich mal ein paar verschwitzte Läufer hier in Hamburg an der Alster genauer angeschaut hat, der wird nicht umhin kommen zu sagen: Die sehen aus, als seien sie gerade erst dem Wasser entstiegen.

Aber das kann natürlich auch alles nur Einbildung sein. Und überhaupt: Das mit den Fischen und den Menschen ist ja alles nur eine Theorie. Kann sein, dass nächste Woche schon ein anderer Wissenschaftler auftaucht und behauptet, eigentlich stammen wir Menschen von den Nashörnern ab. Aber bis dahin können sie getrost mal eine zeitlang schweigen. Und auf das Anti-Schuppen-Shampoo verzichten. Der Abstammung wegen.

Quelle: Spiegel